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Zuverlässigkeits-Blockdiagramme

Zuverlässigkeits-Blockdiagramme dienen zur Visualisierung und analytischen Behandlung komplexer Systeme. Das System wird in einzelne Funktionsblöcke zerlegt, deren Zusammenwirken das Systemverhalten wiederspiegeln. Interessant und eigentlich erst notwendig wird dieses Verfahren dann, wenn das System nicht lediglich aus einer seriellen Kette aus Funktionsblöcken besteht, sondern komplizierter aufgebaut ist und beispielsweise folgende Eigenschaften aufweist:
Die Funktionsblöcke, sowie ein Startpunkt und ein Endpunkt, werden entsprechend der Systemarchitektur mit Pfeilen verbunden. Solange es mindestens einen funktionsfähigen Pfad vom Startpunkt über die Funktionsblöcke zum Endpunkt gibt, wird das System als funktionsfähig angesehen.

Ein zweistrahliges Flugzeug möge als Beispiel dienen; dieses Beispiel wird auch im Kapitel Markovanalyse verwendet, und zeigt sehr deutlich die Unterschiede zwischen
Zuverlässigkeits-Blockdiagrammen und Markovdiagrammen auf.



Zweistrahlige Flugzeuge müssen so ausgelegt sein, dass sie bei Ausfall eines Triebwerkes sicher bis zum nächstgelegenen Flughafen weiterfliegen können. (Freilich stellt diese Situation eine Luftnotlage dar). Das Blockdiagramm ist dementsprechend aufgebaut: Vom Startpunkt erfolgt der Funktionsfluss im Normalfall über beide Blöcke (Triebwerke) bis zum Endpunkt. Die Zusammenführung vor dem Endpunkt besagt mit dem Symbol 1::2, dass einer der beiden Teilpfade ausreicht, um das Gesamtsystem am Laufen zu halten.

Mit Zuverlässigkeits-Blockdiagrammen kann man -je nach Mächtigkeit der verwendeten Software- verschiedene Parameter berechnen, beispielsweise:

Die Eigenart dieses Beispiels, auch im Hinblick auf das Kapitel Markovanalyse, besteht darin, dass das Blockdiagramm bei Ausfall beider Blöcke zwar ein Systemversagen wiederspiegelt, dies allerdings nicht unbedingt die Betriebspraxis wiedergibt: Das Flugzeug kann nämlich auch ohne Triebwerke für immerhin ~ 10 Minuten sicher gleiten. Während dieser Zeit wird es der Besatzung wahrscheinlich gelingen, wenigstens eines der beiden Triebwerke wieder zu starten und damit doch noch bis zum nächsten Flughafen zu kommen. 
Weiterhin lässt diese Diagrammdarstellung unberücksichtigt, dass bei Ausfall eines Triebwerkes das jeweils andere mehr leisten muss und seine Ausfallwahrscheinlichkeit dann etwas höher ist.
Blockdiagramme können derartige Systemeigenschaften nicht wiedergeben, Markovdiagramme dagegen schon.

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