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FMEA und FMECA mit Beispielen
  FMEA, Einleitung
  Beispiel1: Mil-STD-1629 Piece Part FMEA
  Beispiel2: Mil-STD-1629 Criticality Analysis
  Beispiel3: Automobil FMEA
  Grundsätzliche Schwierigkeiten mit FMEAs


FMEA ist die englische Abkürzung für Failure Mode and Effect Analysis. Eine treffende deutsche Übersetzung ist z.B. Fehlermoden und Auswirkungsanalyse. Das C bei FMECA steht für Criticality bzw. Kritikalität, und bezeichnet einen bestimmten Typ FMEA.
Abhängig vom Industriezweig haben mehrere Typen FMEA einen gewissen Verbreitungsgrad gefunden, die vom Namen her teilweise nicht als solche erkennbar sind, beispielsweise FMEDA (D= Diagnose oder detectability), Design (Entwicklungs)-FMEA, Prozess-FMEA, HAZOP (Hazard and Operability Analysis), HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Point) usw.

Das Grundprinzip ist bei allen FMEA Typen das Selbe:
Für einen festgelegten Betrachtungsgegenstand (z.B. ein Gerät, ein Prozess, eine Kühlkette,...) werden potentielle Fehler identifiziert. Dabei ist es unerheblich, ob diese Fehler bereits vorgekommen sind, oder ob sie sich jemand "nur" vorstellen kann. Die Identifikation der potentiellen Fehler kann entsprechend der Zielsetzung der FMEA unterschiedlich vorgenommen werden. Die Spanne des praktisch Vorkommenden sei anhand der folgenden beiden Grenzfälle beschrieben:
  1. Eine (moderierte) Gruppe von sich frei äussernden Personen. Fast alle themenbezogenen Gedanken sind erlaubt und auch erwünscht. Die Ergebnisse können und sollen unerwartet und überraschend sein.
  2. Eine Einzelperson, die anhand von festgelegten Regeln (Standards, Tabellen,...) vorgeht. Die Ergebnisse sind im Voraus bereits qualitativ bekannt und werden durch die (in diesem Fall Piece-Part-) FMEA quantitativ untermauert. Hier wird nach vorgegebenem Schema gearbeitet.
Abhängig vom FMEA Typ kann der Hauptzweck die Herbeiführung einer Verbesserung einerseits, die qualitative oder auch quantitative Dokumentation des fehlertechnischen Istzustandes andererseits sein. Dies wird in den verschiedenen FMEA Typen durch Adressierung eines oder mehrerer der folgenden Aspekte erreicht:
Die meisten FMEA Typen sind "lebende" FMEAs, das bedeutet, sie können jederzeit erweitert oder korrigiert werden. Bei diesen FMEAs kommen noch einige Aspekte hinzu, die hier nicht explizit aufgelistet werden:  Es handelt sich im Grunde um die weiter oben aufgelisteten Aspekte unter dem Blickwinkel bereits umgesetzter Verbesserungsmassnahmen.

Das zentrale Werkzeug einer FMEA ist (ggfs. neben der Moderation) die FMEA Tabelle, deren Spalten entsprechend des FMEA Typs ganz spezifische Spaltentitel aufweisen und dadurch die FMEA Methodik vorgeben.
Umgekehrt ist an der Struktur der Spaltentitel meistens der zugrundeliegende FMEA Standard und damit auch der Industriezweig ablesbar.

Es wird hier bewusst auf eine Aufzählung verschiedener  FMEA Standards verzichtet, denn im Grunde unterscheiden sich ihre Inhalte nicht wesentlich. In den folgenden drei Kapiteln werden mit der Beschreibung von nur drei FMEA Typen aus lediglich 2 Standards (Mil-STD-1629 und IEC 60812) alle wesentlichen FMEA Aspekte abgedeckt. 

In der FMEA Praxis haben sich unter Anderem die Begriffe Prozess-FMEA, Design-FMEA, Software-FMEA, usw. etabliert. Diese Begriffe bezeichnen lediglich das Anwendungsgebiet bzw. den Betrachtungsgegenstand; ein Zusammenhang mit unterschiedlichen FMEA-Typen lässt sich aus diesen Begriffen nicht ableiten.

Als einführendes Beispiel sei zuerst eine FMEA Tabelle der Mutter aller FMEA Standards, Mil-Std-1629, abgebildet (Task 101 des Mil-Std-1629). 
Mil-Std-1629 wurde in den 1960 Jahren vom US Militär etabliert und als methodische Forderung an seine Zulieferer gestellt. 

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